Erzeugerrichtlinien

 

EAB - Bayern
Erzeugergemeinschaft für Autochthone Baumschulerzeugnisse in Bayern

Vorsitzender: Ludwig Wörlein, Baumschulweg 9, D - 86911 Diessen
Tel: 08807-92100 Fax: 08807-92 10 900


REGELN DER EAB FÜR DIE REGIONALE ERZEUGUNG UND DEN VERKAUF VON AUTOCHTHONEM PFLANZGUT

(Stand 20.09.1997)

  1. Das Ziel des Zusammenschlusses in einer Erzeugergemeinschaft für Autochthone Baumschulerzeugnisse (EAB) geht aus der Satzung in der jeweils gültigen Fassung hervor.
     

  2. Definition

    Autochthon im Sinne dieser Richtlinie ist Pflanzgut

    - wenn es sich als Tochter- (F1) oder Enkelgeneration (F2) von wildwachsenden Stammpflanzen herleitet, die sich ohne menschliche Hilfe in der freien Landschaft angesiedelt haben und

    - nur soweit, als es in der Herkunftsregion der wildgewachsenen Stammpflanzen und hier innerhalb des angestammten Verbreitungsgebietes der betroffenen Pflanzenart verwendet wird.

    Die Herkunftsregionen werden verbindlich festgelegt.
     

  3. Erntebestände und Saatguternte

    1. Eignung als Erntevorkommen

      Für die Gewinnung des Vermehrungsgutes (Früchte, Samen, Stecklinge, Gewebe) kommen nur wildwachsende, von selbst entstandene Gehölzstrukturen in Frage. Solche finden sich vor allem im Bereich von Waldrändern, Stufenrainen, Hohlwegen, Lesesteinwällen, Kahlflächen und extensiven Viehweiden. Oft sind Gehölzstrukturen geeignet, die bereits vor 1950 entstanden sind.

      Keine Ernte darf in gepflanzten Beständen erfolgen (Ausnahme: Für die Erzeugung Autochthonen Pflanzgutes angelegte Samengärten; siehe Ziffer 7). Achtung! Gepflanzt wurde häufig auf oder an künstlichen Standorten wie Straßen, Flurbereinigungswegen, Siedlungsrändern, begradigten Gewässern, Dämmen und Deichen. Pflanzungen lassen sich oft noch lange an regelmäßigen Pflanzabständen, bestimmten Pflanzmustern, ungewöhnlicher Artenvielfalt oder –armut oder an Fremdgehölzen erkennen.

    2. Erkundung und Dokumentation von Erntevorkommen

      a) Jedes EAB-Mitglied sowie die von der EAB beauftragten Samenfirmen ermitteln in ihrem Tätigkeitsbereich neue Erntemöglichkeiten, holen die erforderlichen Sammelgenehmigungen ein und bereiten die Anpachtungen von Erntevorkommen vor.

      b) Die Erntevorkommen werden vom EAB-Mitglied oder der beauftragten Samenfirma in die topographische Karte 1 : 25.000 eingetragen und mit einer Identifikationsnummer versehen. Unter dieser Nummer wird eine Vorkommensbeschreibung gemäß Anlage 1 angefertigt und der EAB übermittelt.

      c) Die Eignung der Vorkommen wird im Auftrag der EAB von einem neutralen Fachmann geprüft.

      d) Die EAB erfasst die übermittelten Daten über die Erntevorkommen zentral und gibt sie an die vertraglich verpflichteten Samenfirmen weiter.

    3. Pacht der Erntevorkommen; naturschutzrechtliche Genehmigung

      a) Die geeigneten Erntevorkommen werden ausschließlich durch die EAB angepachtet.

      b) Vor Beginn der Erntearbeiten ist eine naturschutzrechtliche Genehmigung einzuholen (Sammelerlaubnis und ggf. Befreiung von Schutzgebietsverordnung. Ansprechpartner: Kreisverwaltungsbehörde – Untere Naturschutzbehörde).

    4. Saatgut-Bedarfsmeldung

      a) Jeder Mitgliedsbetrieb teilt der EAB bis zu einem von ihr vorgegebenen Zeitpunkt im voraus den Samenbedarf mit.

      b) Die EAB beauftragt die Mitgliedsbetriebe und die vertraglich verpflichteten Samenfirmen, Saatgut im erforderlichen Umfang bereitzustellenSaatguternte

    5. a) Die Saatguternte erfolgt durch Mitgliedsbetriebe der EAB oder die beauftragten
      Samenfirmen.

      b) Pro Erntevorkommen sollten möglichst viele Gehölze einer jeden Art (mindestens 5)
      beerntet werden. Dabei ist darauf zu achten, dass auch schwachfruchtende Exemplare berücksichtigt werden.

      c) Für jede beerntete Art ist ein Ernteprotokoll gemäß Anlage 2 zu erstellen.

      d) Gute Samenjahre sollen zur Anlage von Vorräten genutzt werden.
       

  4. Saatgut-Aufbereitung und Aufgaben der Samenfirmen

    a) Die fachgerechte Aufbereitung, Lagerung und der Versand des Saatgutes wird von der EAB vertraglich verpflichteten Samenfirmen übertragen.

    b) Für jede Pflanzenart wird von der EAB eine Erntezeit festgelegt. In dieser Zeit muss auch das Rohsaatgut bei den Samenfirmen zur Verarbeitung angeliefert werden.

    c) Die Samenfirmen dürfen das Saatgut als „Autochthonen Material“ nur zur Aussaat an die EAB bestimmten, vertraglich mit ihr verbundenen Anzuchtfirmen abgeben. Das Saatgut wird mit einem Begleitetikett gemäß Anlage 3 durch die EAB anerkannt.

    d) Beim Verkauf an Nichtmitglieder wird das Saatgut nur noch als nicht anerkanntes „Bayerisches Saatgut“ oder „Süddeutsches Saatgut“ abgegeben.

    e) Die Samenfirmen haben die EAB umfassend über die geernteten Herkünfte zu informieren.

    f) Die Samenfirmen betreiben im Auftrag der EAB eine sorgfältige Bevorratung.

    g) Die Samenfirmen gestatten einem von der EAB benannten Kontrolleur jederzeit den Zutritt zu den Verarbeitungsräumen, sowie Einblick in die einschlägigen Unterlagen.
     

  5. Aussaat und Sämlingsanzucht

    a) Die Aussaat und Sämlingszucht erfolgt grundsätzlich durch von der EAB bestimmte Anzuchtfirmen. Mit dieser werden Lohnanzuchtsverträge abgeschlossen.

    b) Jedes EAB-Mitglied bekommt mit der Jungpflanzenlieferung die Herkunfts-Bescheinigung in Form eines Begleitetiketts gemäß Anlage 3.

    c) Die Anzuchtfirmen gestatten einem von der EAB benannten Kontrolleur jederzeit den Zutritt zu den Verarbeitungsräumen und Kulturflächen sowie den Einblick in die einschlägigen Unterlagen.
     

  6. Pflanzenanzucht (Verschulung der Sämlinge)

    Die Verschulung der Sämlinge hat grundsätzlich bei den Mitgliedsbetrieben zu erfolgen. Ausnahmen regelt der Vorstand.
     

  7. Samengärten

    a) In erster Linie soll für die Pflanzenvermehrung Vermehrungsgut verwendet werden, das unmittelbar von den wildwachsenden Mutterpflanzen stammt. Samengärten sind zugelassen, soweit sie nur die Enkelgeneration in Bezug auf die wildwachsenden Stammpflanzen erzeugen. Sie dürfen nur in Bayern betrieben werden.

    b) Die Samengärten bedürfen der Genehmigung durch die EAB. Sie werden nach Muster der Samenfirmen vertraglich an die EAB gebunden und von ihr kontrolliert.

    c) Um eine möglichst große und gebietstypische Vielfalt zu erzielen, soll das Saatgut für die Samengärten von vielen, über die Herkunftsregion verteilen, sowie standörtlich unterschiedlichen Vorkommen gewonnen werden. Im übrigen gelten die Regeln im Gesetz über forstliches Saat- und Pflanzgut in der jeweils gültigen Fassung.
     

  8. Verkauf von Gehölzen und Warenbezeichnungen

    a) Wird Pflanzgut in den Handel gebracht, muss ein Begleitetikett gemäß Anlage 4 beigelegt werden. Die Herkunftsregion muss auch auf dem Lieferschein angegeben werden.

    b) Steht in der jeweiligen Herkunftsregion innerhalb der EAB nicht genügend Pflanzgut zur Verfügung, ist es abweichend von Ziffer 2 zulässig, EAB-Pflanzgut aus einer der unmittelbar angrenzenden Herkunftsregionen als Autochthones Material zu liefern.

 

 

Weiter sehen Sie die Entwürfe der Anlagen.

 

ANLAGEN


Anlage 2

Ernte – Saattransport zur Saatgutaufbereitungsfirma

Ernteprotokoll:
Artikel:
Deutsch:
Botanisch:
Herkunftsregion-Nr.:
Vorkommen-Nr.:
Erntezeitpunkt/Datum:
Gewicht frisch:
Auffälligkeiten bei der Ernte:
Ernte durchgeführt von:

Dieses Ernteprotokoll wird von demjenigen ausgestellt, der die Ernte durchführt.
Das Ernteprotokoll geht immer zur Saataufbereitungsfirma.
Der Durchschlag verbleibt beim Ernter.


Anlage 3

Saatverkauf – Saatgutlieferung von der Samenfirma zur Anzuchtsfirma

Folgende Daten muss der Lieferschein besitzen:

Art:
Deutsch:
Botanisch:
Herkunftsregion-Nr.:
Vorkommen-Nr.:
Menge:
Tausendkorngewicht:
Anzahl der lebenden Keime:
Reinheit in %:
Keimkraft:
Reifejahr:
Datum:

Von diesem Lieferschein aus erstellt die Baumschule die 9-stellige EAB-Nummer.
Herkunftsregion: 1 Stelle
Bestand: 2 Stellen
Erntejahr: 2 Stellen
Baumschule: 3 Stellen


Anlage 4

Jungpflanzenlieferung – Lieferung der Sämlinge von der Anzuchtfirma an die Baumschule

Art:
Deutsch:
Botanisch:
Herkunftsregion-Nr.:
Vorkommen-Nr.:
Aussaatjahr:
Alter:
Datum:
Menge:


Anlage 5

Pflanzenlieferung zum Kunden – von der Baumschule zum Kunden

Pflanzenart:
Deutsch:
Botanisch:
Menge:
Alter:
Größe:
Herkunftsregion-Nr.:
Datum der Lieferung:
Empfänger:
EAB-Nr.:

Der Durchschlag des Lieferschein geht nach der Lieferung an die EAB, die eine Jahresverkaufsaufstellung an alle Mitglieder am Ende des Wirtschaftsjahres erstellt.